WN: Protestaktion in Kirchen – Wenn Josef plötzlich verschwindet

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Protestaktion in Kirchen

Wenn Josef plötzlich verschwindet

Münster – Eine namentlich nicht bekannte Gruppe hat am Wochenende mit einer politischen Kunstaktion auf Abschiebung und Abschiebehaft aufmerksam gemacht. Aus den Krippen mehrerer Kirchen sei die Figur des Josef abgeschoben worden. Von Ralf Repöhler

Der Josef ist da! Gott sei Dank. Wie am Wochenende aus der Gemeinde St. Joseph in Münster-Süd zu erfahren war, stand die Holzfigur am Samstagnachmittag wie gewohnt an ihrem angestammten Platz in der Kirche an der Krippe. Vielleicht ein wenig versetzt. Ein gefälschter Abschiebebescheid im Stil des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lag vor dem Jesus-Kind. Danach sei „der Asylantrag des Josef von Nazareth als unzulässig abgelehnt worden“, heißt es da. Mit einer nach eigenen Angaben politischen Kunstaktion weist eine namentlich nicht bekannte Gruppe auf die „inhumane Abschiebepraxis und auf das 100-jährige Bestehen von Abschiebehaftanstalten in Deutschland“ hin. Aus diesem Grund sei am Samstag „aus den Krippen mehrerer Kirchen in Münster die Figur des Josef abgeschoben worden“. Ein Fake-Bescheid und ein Erklärungstext seien dort ausgelegt worden. Die mit den Kirchengemeinden nicht abgestimmte Aktion wolle auf Abschiebung und Abschiebehaft aufmerksam machen. „Auch aus Münster werden Menschen unangekündigt abgeschoben“, so eine Vertreterin der Gruppe. Zuletzt war im Dezember eine Familie, die in Roxel lebte, nach Georgien ausgeflogen worden. Das Bistum Münster reagiert gelassen. „Das Anliegen, auf humanitäre Abschiebeverfahren hinzuweisen, ist ja durchaus berechtigt“, sagt Sprecher Dr. Stephan Kronenburg, der sich zur Form indes nicht äußern wollte. Bei der Polizei ist keine Anzeige wegen fehlender oder beschädigter Krippenfiguren eingegangen.