Buchempfehlung: Die Suchenden

Sehr zu empfehlen:

Rodrigue Péguy Takou Ndie

Die Suchenden

herausgegeben von Afrique-Europe-Interact

https://www.unrast-verlag.de/gesamtprogramm/allgemeines-programm/belletristik/die-suchenden-detail

https://afrique-europe-interact.net/1727-0-Das-Buch.html

Vor ihm Ungewissheit, hinter ihm Leiden, in ihm Verzweiflung. Ein Zurück gibt es für den Suchenden nicht, denn »wer als Verlierer zurückkehrt, legt sich eine Kreuzotter um den Hals«. Aber er will auch nicht als ›Leidender‹ enden wie sein Onkel Djo Ngo’o: zerrieben zwischen den eigenen Idealen und einem Umfeld, das Idealisten nicht duldet. Inspiriert durch eigene Erfahrungen stellt Rodrigue Péguy Takou Ndie in seinem dritten Roman existentielle Fragen: Wie lassen sich Menschlichkeit und Hoffnung bewahren, wenn ›Überleben‹ bedeutet, nicht zurückblicken und mitfühlen zu dürfen – mit denen, die von Schleppern in der Wüste ausgesetzt verdursteten oder erschlagen wurden von marokkanischen Polizisten? Wenn hinter jedem Hindernis ein weiterer Traum zerplatzt, hinter den messerscharfen Zäunen von Melilla immer nur weitere Zäune warten? Wenn der einzige Freund und Ratgeber seit bald zwei Jahrzehnten in einem Lager irgendwo in Deutschland dahinvegetiert und auf seine Abschiebung wartet? »Die Suchenden« ist ein schonungsloser Roman. Schonungslos gegenüber zerstörten Herkunftsgesellschaften, brutalen Verhältnissen in Nordafrika und Europa, Profiteuren und Ignoranten – schonungslos aber auch gegen den Suchenden selbst. Die scharfe Analyse der traumatisierenden Auswirkungen von Neokolonialismus, europäischem Grenzregime, deutschem Asylsystem und alltäglichem Rassismus geht einher mit einer bildreichen Sprache, mit eindringlich dichten Beschreibungen und einem wunderbaren Sinn fürs Absurde.

Analyse und Kritik: „Keine Eulen nach Athen: Warum ich die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ unterstütze“

Martin Höpner, geboren 1969, ist Politikwissenschaftler, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und außerplanmäßiger Professor an der Universität zu Köln. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Vergleichende Politische Ökonomie.

Keine Eulen nach Athen: Warum ich die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ unterstütze

Von Martin Höpner

Die politische Landschaft ist in Bewegung geraten. Derzeit formiert sich, maßgeblich angestoßen von der Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht, eine Sammlungsbewegung mit dem Namen „Aufstehen“. Eine Parteigründung wird nicht angestrebt. Vielmehr soll es darum gehen, auf die bereits bestehenden Parteien des Mittelinks-Spektrums einzuwirken – mit dem Ziel, den sozialen Zusammenhalt zurück in das Zentrum progressiver Aufmerksamkeit zu rücken. Dieses Ziel klingt einigermaßen merkwürdig. Aufstehen, um Eulen nach Athen zu tragen? Ist die Sensibilität für die Verteilungsfrage, ist das Engagement für sozial Ausgegrenzte nicht gerade das, was linke Politik ausmacht? So könnte man meinen. Aber sehen Sie sich einmal im Internet an, an welchen Stellen der Leipziger Parteitag der Linkspartei vom vergangenen Juni wirklich lebhaft wurde. Da ging es nicht um Steuerkonzepte, Rentenpolitik oder Sozialwohnungen, sondern um Migration, genauer: um die vermeintliche Rechtsoffenheit jener, die die Maximalforderung „offene Grenzen für alle“ kritisieren. Die tumultartigen Szenen aus Leipzig waren Ausdruck einer übergeordneten Transformation der Orientierungspunkte, anhand derer sich die Zugehörigkeit zum linken Lager entscheidet. Dieser Wandel ist kein Spezifikum der Linkspartei, sondern findet ebenso in der SPD und bei den Grünen, in Stiftungen und – mit Abstrichen – bei den Gewerkschaften statt. Überall dort hat sich die Aufmerksamkeit von der sozialen Konfliktachse auf eine Querachse verlagert, die von Kosmopolitismus, „mehr Europa“, offenen Grenzen und der Verallgemeinerung des postmodernen, urbanen Lebensstils handelt. Dort, nicht auf der sozioökonomischen Achse, findet derzeit Politisierung statt. Das Problem wäre überschaubar, würde es allein in der Verwässerung der progressiven Aufmerksamkeit für die soziale Frage bestehen. Der Konflikt schneidet aber tiefer, denn auf der Querachse stehen sich der postmoderne Kosmopolit und der sozial Marginalisierte in aller Regel als Gegner gegenüber. Das kosmopolitische Ideal spricht dem gutausgebildeten Globalisierungsgewinner aus der Seele. Ihm stehen die ortsgebundenen „locals“ gegenüber, die zu Recht ahnen, dass sie die vom Kosmopoliten für rückwärtsgewandt gehaltenen Institutionen des Nationalstaats noch einmal brauchen könnten. Dieser Konflikt schwelt schon länger. Vor zwei Jahren war es dann die Migrationsfrage, die aus ihm einen Flächenbrand machte, der insbesondere die Linkspartei an den Rand der Spaltung führte. Die vorbehaltlose Verteidigung des Asylrechts ist dort, wie auch anderswo im Mitte-links-Spektrum, unumstritten. Anders verhält es sich mit der Verallgemeinerung der offenen Grenzen für Verfolgte zu offenen Grenzen für alle. Die Kritiker dieser Position verweisen auf die Verschärfung der Konkurrenz im unteren Segment des Arbeitsmarkts, um soziale Dienste, um erschwinglichen Wohnraum, um die Aufmerksamkeit überforderter Lehrer, um den Platz an den Tafeln. Dies alles sind genuin soziale Fragen. Abgehandelt wird der Konflikt aber in der Sprache der Querachse, in der es auf der einen Seite Weltoffenheit und Toleranz gibt und auf der anderen Seite Nativisten – und Schlimmeres. Der bedingungslose Kosmopolitismus hat auch die Sicht auf die Europäische Union vernebelt. Hört man seinen Protagonisten zu, könnte man meinen, das „soziale Europa“ existiere wirklich. Tatsächlich aber hat sich die EU zu einem Vehikel der Marktschaffung entwickelt, während das soziale Versprechen der europäischen Integration seit dem Binnenmarktprogramm keinen Fuß mehr vor den anderen gekriegt hat. In allen mir bekannten Parteien und Organisationen des Mitte-links-Spektrums ist die Beschäftigung mit diesem glasklaren Fakt tabuisiert. Es gäbe Wege, das Soziale besser vor den Übergriffen der Binnenmarktfreiheiten, des europäischen Wettbewerbsrechts und der im Zuge der Euro-Rettung eingeführten Überwachungs- und Korrekturverfahren zu schützen. Die Forderung nach solchem Schutz aber gilt den linken Integrationisten als rückwärtsgewandt, nostalgisch, ja „sozialnationalistisch“. Unterhalb der Maximalforderung nach Ablösung der Nationalstaaten durch möglichst rasch zu gründende „Vereinigten Staaten von Europa“ sind für weite Teile in SPD, Grünen und Linkspartei alle Katzen grau – eine Eigenart der deutschen Linken übrigens, die anderswo in Europa keine Nachahmer findet. Ein anderes Anschauungsobjekt ist die Behandlung der inneren Sicherheit als Thema „der anderen“, also: der Rechten. Gehen Sie auf eine hauptsächlich von Linken besuchte Feier, dann äußern Sie dort besser nicht, die Bandenkriminalität nähme zu und verlange nach einer Antwort des Staates. Den Verdacht auf Rassismus werden Sie den Abend über nicht mehr los. Ihr Einwand, dass angesichts der zunehmenden sozial-räumlichen Segregation nun einmal bestimmte Schichten unter diesen und anderen Fehlentwicklungen leiden, hilft nicht. Denn abgehandelt wird der Konflikt garantiert nicht als soziales Problem. Vielmehr stellen Sie den postmodernen, urbanen Lebensstil in Frage. Man möge mir nachsehen, dass ich den Konflikt überzeichne, um seine Grundstruktur zu verdeutlichen. Natürlich sind die Haltungen im Mitte-links-Spektrum in Wahrheit vielschichtiger, der Kosmopolitismus existiert ebenso wie die Einwände gegen ihn in unterschiedlichen Graden und Facetten. Worauf es hier ankommt, ist die Einsicht, dass sich die Linke durch die Überpolitisierung der kosmopolitischen Konfliktachse in doppelter Hinsicht von den Interessen der sozial Marginalisierten abgewandt hat: einmal durch die Relativierung der Aufmerksamkeit für soziale Problemlagen und dann noch einmal durch die Gegnerschaft zu den „locals“, die umso mehr zunimmt, je mehr der urbane Globalisierungs- und Modernisierungsgewinner zum Zielpunkt politischer Ansprache wird. Die von der kosmopolitischen Party Ausgeschlossenen reagierten bekanntlich in zwei Schüben: zuerst durch Wahlenthaltung und seit einigen Jahren durch vermehrte Hinwendung zum Rechtspopulismus. Dieser Status quo ist nicht in Stein gemeißelt. Aber von allein werden sich die Parteien nicht von ihm wegbewegen. Es braucht eine Kraft, die von außen auf sie einwirkt. Die von ihnen einfordert, sich für die sozial Marginalisierten überhaupt erst einmal wieder zu interessieren, selbst wenn sich das nicht von heute auf morgen in Wählerstimmen auszahlt. Die nicht nach neuen Erzählungen sucht, sondern echten programmatischen Wandel einfordert. Und die auch den Mut aufbringt, zu fragen: Was haben wir falsch gemacht? Einer linken Sammlungsbewegung geht es nicht darum, dem Internationalismus die Vorsilbe zu nehmen. Es geht um das glaubhafte Eintreten für eine realistische Reformpolitik, die einen fairen Ausgleich zwischen den Gewinnern und den Verlierern der Globalisierung herbeiführen will. Hierfür aber ist es notwendig, die bestehenden linken Parteien zunächst einmal aus ihrem linksliberalen Schlaf zu wecken und sie dazu anzuhalten, die Schattenseiten der Globalisierung und der europäischen Integration ebenso klar in den Blick zu nehmen wie ihre Vorzüge. Weil ich davon überzeugt bin, dass dies die richtige Antwort auf den Aufstieg des Rechtspopulismus ist, unterstütze ich die Sammlungsbewegung und sehe den Entwicklungen der kommenden Monate mit Freude entgegen.

https://www.aufstehen.de/wacht-endlich-auf-aus-dem-linksliberalen-schlaf/

Monitor: Angriff aufs Kirchenasyl: mit Schützenhilfe der Grünen

Angriff aufs Kirchenasyl: mit Schützenhilfe der Grünen

Monitor | 16.08.2018 | 07:22 Min. | Das Erste

Das Kirchenasyl ist für Flüchtlinge oft der einzige Ausweg, um sich vor Abschiebungen zu schützen oder ein Asylverfahren in Deutschland zu bekommen. In der Regel betrifft dies Härtefälle, für die die Kirchen sich gezielt einsetzen. Doch jetzt droht dieser Weg – gegen den Protest der Kirchen – erheblich erschwert zu werden. Statt bisher nur sechs Monate müssten Flüchtlinge künftig 18 Monate im Kirchenasyl bleiben, um ins deutsche Asylverfahren zu kommen. Eine Gesetzesänderung auf Initiative der Landesregierung von Schleswig-Holstein, wo die GRÜNEN mitregieren.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-angriff-aufs-kirchenasyl-mit-schuetzenhilfe-der-gruenen-100.html

Arte: Digital Africa – Ein Kontinent erfindet sich neu

https://www.arte.tv/de/videos/071435-000-A/digital-africa/

Digital Africa

Ein Kontinent erfindet sich neu

Ein crossmediales Projekt, das unser Afrikabild auf den Kopf stellt: mobiles Bezahlen in entlegensten Dörfern, Drohnen, die die Ernte überwachen, 3D-Drucker, die Ersatzteile liefern und Elektroschrott reduzieren, Roboter, die den Verkehr regeln. Kreative Start-ups von Nairobi bis Kumasi tüfteln technische Innovationen aus, die weltweit inspirieren. Eine Entdeckungsreise.

Linke Sammlungsbewegung: Aufstehen? Oder sitzen bleiben?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/linke-sammlungsbewegung-aufstehen-oder-sitzen-bleiben-kolumne-a-1221809.html

Linke Sammlungsbewegung

Aufstehen? Oder sitzen bleiben?

Gerechte Löhne, bezahlbare Mieten, Kindheit ohne Armut: Diese Forderungen der linken Sammlungsbewegung sind selbstverständlich, und nicht radikal. Die Deutschen können jetzt zeigen, was ihnen wichtig ist.

Eine Kolumne von Jakob Augstein

Unter aufstehen.de kann seit einigen Tagen jeder Teil der linken Sammlungsbewegung werden. Die These, dass die Leute in Wahrheit linker sind als die Politik – jetzt kann sie sich bewahrheiten, oder eben nicht. Eine Entschuldigung gibt es dann aber nicht mehr. Wenn die Deutschen jetzt nicht aufstehen, dann weiß man nachher wenigstens: Sie sitzen mit Absicht. Die linke Sammlungsbewegung hat bis Ende vergangener Woche schon mehr als 60.000 digitale Unterstützer gefunden – obwohl ihr Programm noch gar nicht bekannt ist. Hier zeigt sich nicht netztypische Sorglosigkeit, die freigiebig mit ihren Klicks umgeht. Hier äußert sich eine große Sehnsucht. Die Sehnsucht ist eine starke Kraft. Dennoch verzichtet moderne Politik fast immer auf sie. Warum? Weil Sehnsucht eine radikale Kraft ist und moderne Politik vor allem auf Radikalitätsvermeidung setzt. Ist man radikal, wenn man gerechte Löhne fordert, bezahlbare Mieten, und eine Kindheit ohne Armut? Nein. Man ist Realist. Es ist der Realismus selbst, der zur radikalen Haltung geworden ist. Natürlich kann Deutschland auch als immer ungleicheres und ungerechteres Land funktionieren. Die USA und Großbritannien zeigen, wie das geht. Eine (wenigstens nach innen) friedliche und liberale Gesellschaft lässt sich auf diese Weise aber nicht aufrechterhalten. Die Frage ist, was die Deutschen wollen. Was in Politik und Medien jetzt geschieht, kennt man schon: Wenn in Deutschland einer für Gerechtigkeit aufsteht, fangen die anderen erst mal an zu murren. In einer Gesellschaft, die sich ans Dösen gewöhnt hat, ist Bewegung verdächtig. Und außerdem lässt sich niemand gern das eigene Versagen vor Augen führen. Besonders abscheulich war die Einlassung der „Bild“-Zeitung, die linke Sammlungsbewegung und ihre Gründer glatt in die Nähe der Nationalsozialisten zu bringen. Weil die Nazis ja auch keine Partei sein wollten, sondern Bewegung. Das hat Michael Wolffsohn geschrieben, der „Bild“-Historiker fürs Grobe. Man erinnert sich: Es ist seit jeher eine beliebte Denkfigur der Rechten, Nationalsozialisten zu Sozialisten zu erklären. Abgesehen davon stellt sich tatsächlich eine Fülle von Fragen. Die wichtigste: Sind Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine die Richtigen, eine linke Sammlungsbewegung anzuführen – und sei es nur, weil sonst niemand den Job übernimmt? Oder können die Spalter von einst heute keine Kraft der Einigung sein? Auch werden die Linken sich über die Schicksalsfrage unserer Zeit klar werden müssen: über die Migration. Ist die ursprüngliche linke Forderung nach offenen Grenzen ein Zeichen der internationalen Solidarität – oder führt Migration im Neoliberalismus zu Lohndrückerei und Auszehrung der Herkunftsländer? Das muss man alles klären – wenn die Bewegung einmal unterwegs ist. Für diese Reise gibt es keine Landkarte. Wie getroffene Hunde jaulen jetzt die sogenannten Sozialdemokraten auf. Sebastian Hartmann, SPD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, textete: „Die linke Sammlungsbewegung in Deutschland ist seit 1863 die SPD. Wer mitmachen möchte, kann eintreten.“ Ein hübsches Bonmot, aber eine Lüge. Die SPD ist sehr vieles, aber nicht links. Schlimmer: Die SPD ist das größere Hindernis jeder linken Politik. Die SPD liegt im Fahrwasser jeder linken Politik wie ein gesunkenes Schiff. Sie versperrt die Ausfahrt ins Offene. Es gibt keinen Aufbruch mit der SPD. Und das liegt nicht am Personal. Wie heißen die Leute an der Spitze? Schahles? Nolz? Das ist ganz gleich. Denn die SPD macht aus anständigen Sozialdemokraten Verlierer und Verräter. Daran lässt sich jetzt nichts mehr ändern. Das sitzt viel zu tief. Man sieht das an jemandem wie Kevin Kühnert. Der war ein entschiedener Gegner der Großen Koalition und man konnte ihn für einen Erneuerer in einer Partei halten, die Erneuerung so dringlich braucht. Aber die SPD redet eben nur von Erneuerung, sie sucht sie nicht.

Politik machen, aber richtig?! – die linke Sammelbewegung Aufstehen

Hallo zusammen, am 04. September wird eine neue politische Bewegung ins Leben gerufen: Aufstehen. Eine Idee, die vor allem mit Sahra Wagenknecht verknüpft ist. Nach Bekanntgabe des Vorhabens haben sich in wenigen Tagen über 50.000 Menschen gemeldet, um daran mitarbeiten zu wollen. Eine Bewegung von oben? Oder eine von unten? Ist das relevant, wenn sich bald vielleicht über 100.000 Menschen engagieren wollen?

Eine soziale Wende und konsequente Friedenspolitik sollen im Fokus stehen. Ein erster Aufruf von ca. 50 bekannten Gesichtern soll die Diskussionsgrundlage sein. Die Bewegung beginnt in Deutschland, um konkret handlungsfähig zu sein. Müsste sie nicht internationalistisch sein? Zumindest orientiert sie sich an linken sozialdemokratischen Bewegungen/Parteien in den USA, Großbritannien und Frankreich.

Kann das politische System von innen erneuert oder transformiert werden? Diese Frage lässt viel Diskussionspotenzial zu. Kann mensch mit radikal linken Idealen an Aufstehen teilnehmen? Müssen alle von Anfang an die selbe Meinung teilen bevor ein gemeinsames Engagement möglich ist?

Diese Fragen wird jede*r anders beantworten. Für mich ist das ein offener Prozess, der keine einfachen Antworten bietet, vielleicht auch keine.

Die aktuelle politische Situation ist jedenfalls zu dramatisch, um sie nur zu analysieren. Rechtsruck, kapitalistische Ausbeutung, Klimawandel und Krieg müssen lokal und global bekämpft werden. An der Frage des Wie darf es nicht scheitern, wenn gemeinsame Ziele vorhanden sind. Liebe Grüße

Lesetipp:

http://www.fr.de/politik/sahra-wagenknecht-kampfansage-an-den-status-quo-a-1561010

Kampfansage an den Status quo Sahra Wagenknecht über ihre Kritik an Rot-Rot-Grün, enttäuschte Nicht- oder AfD-Wähler, das Potenzial der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ und den Vorwurf der Rechthaberei.

SZ Magazin: Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/leben-und-gesellschaft/hoert-auf-zu-jammern-alte-weisse-maenner-85975

Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!

Warum klagen gerade die privilegiertesten Mitglieder unserer Gesellschaft plötzlich über Diskriminierung? Unser Autor, übrigens selbst ein alter weißer Mann, erklärt, warum es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben kann. Von Till Raether

Für eine große Anzahl von Herren in der Lebensmitte mit heller Hautfarbe gibt es kaum etwas Schlimmeres, als wenn man sie als »alte weiße Männer« bezeichnet. Wie empfindlich und aggressiv sie darauf reagieren, kann man quasi minütlich auf Twitter verfolgen, oder, wenn einem das zu hektisch ist, ganz in Ruhe in Zeitungsspalten. Der Standard-Vorwurf ist in etwa: »Das ist doch rassistisch, wenn ich jetzt umgekehrt wegen meiner Hautfarbe angegangen werde, und sexistisch auch, von der Altersdiskriminierung mal ganz zu schweigen.« Als alter weißer Mann würde ich jedoch gern erklären, warum ich es begrüße, so genannt zu werden. Erstmal ist es zutreffend. Gut, ich bin vielleicht nicht alt im medizinischen Sinne. Aber ich bin so gut wie fünfzig, und das bedeutet: Ich gehöre zur Altersgruppe jener Männer, die derzeit in der westlichen Welt weit überwiegend das Sagen hat. Männer, die in den Sechzigern geboren wurden, und die jetzt an den kleinen und großen Schaltstellen der Macht angekommen sind (etwa jener, hier für Geld seine Meinung schreiben zu können). Aus Sicht aller, die nicht an diesen Schaltstellen sind, ist das alt. Alt bedeutet hier aber noch was anderes: Wir alten weißen Männer haben unsere Ausbildung gemacht und unsere Laufbahn begonnen vor dreißig Jahren oder mehr, und damals war das für niemanden einfacher als für uns. Als ich Junge war, wurde mir mehr zugetraut als den Mädchen, und mehr als den, wie man damals sagte, »Ausländern« sowieso. In der Astronomie-AG begrüßte die Lehrerin die beiden einzigen Mädchen mit den Worten, es ginge hier aber nicht um Sternzeichen, und ob sie sich verirrt hätten. Sie kamen dann auch nicht wieder. Auf der Journalistenschule sagte der Filmkritiker einer Münchner Zeitung warnend vor der Textübung, es tät’ ihm Leid, aber er hätte noch nie »ein Mädel gesehen, das eine gute Filmkritik schreiben kann«. Den Musiklehrer, der den polnischen Mitschüler »Polacke« nannte, entschuldigte der Direktor routiniert mit dessen Kriegserfahrungen. Die Beispiele sind in alle Richtungen endlos. Nie hat damals jemand zu mir etwas Negatives gesagt oder mich schlecht behandelt, weil ich weiß und männlich war. Selbst, als ich mein Praktikum bei der taz nicht bekam, weil sie wegen der Quote nur Frauen nahmen, scherzte der Redakteur, ich könnte mich höchstens »für 20.000 Mark umoperieren« lassen, und es täte ihm leid. Ich wurde von Mann zu Mann getröstet. Das war 1988. Wer mich alt nennt, sagt, dass ich aus einer Zeit komme, in der Männer es noch leichter hatten als heute, und ich finde diesen Hinweis wichtig. Der Gedanke, dass man wegen seiner Privilegien Vorteile hatte und hat, ist unheimlich, weil dieser Gedanke die eigene Lebensleistung in Frage zu stellen scheint: Eigentlich, so hat es Sophie Passmann gerade schön formuliert, müsste man sich doch als Mann immer fragen, ob man einen Job nur bekommen hat, weil man ein Mann ist, und nicht wegen der Qualifikation. Warum ist es so schwierig, das einzusehen? Es gibt beeindruckende soziologische Forschung darüber, wie schwer es Gruppen und einzelnen fällt, ihre Privilegien wahrzunehmen. Von den Schlüssen, die man daraus ziehen müsste, ganz zu schweigen. Besonders deutlich wird das nun bei der Hautfarbe und den Vorteilen, die sie einem verschafft. Die Soziologin Robin DiAngelo hat ein wunderbares Buch über dieses Thema geschrieben, das es leider noch nicht auf Deutsch gibt: Es heißt White Fragility, also »weiße Zerbrechlichkeit« oder »weiße Empfindlichkeit« und handelt davon, warum Weiße so große Schwierigkeiten haben, über Rassismus zu reden. Diese Schwierigkeiten beginnen mit einem Missverständnis und damit, dass wir uns von einer alten Vorstellung von Rassismus verabschieden müssen. Im Allgemeinen definieren wir Rassismus als, wie DiAngelo schreibt, diskriminierende Handlungen, die von »bösen« oder »unmoralischen« Individuen absichtlich begangen werden. Auf Grundlage dieser Definition werden weiße Männer wütend und rufen »rassistisch!«, wenn man sie »weiße Männer« nennt und sagt, sie hätten an diesem oder jenem Ort nichts zu suchen, etwa in den Kommentaren unter »MeTwo«-Twitter-Erfahrungsberichten. Fachlich aber ist diese Definition völlig überholt und, wie wir in unseren Debatten täglich sehen, schädlich. Weil sie leugnet, dass Rassismus nicht die Verirrung einzelner, sondern eine der Grundlagen unserer Gesellschaft ist. DiAngelo legt dar, wie die Soziologie Rassismus definiert: als strukturelles System, in dem weiße Menschen »soziale und institutionelle Macht über people of color« haben. Unsere Gesellschaft beruht auf dieser ungleichen Machtverteilung, von den Bildungs-, Job- und Wohnungschancen, der politischen Repräsentation, der Wohlstandsverteilung, der Strafverfolgung bis hin zum medialen Echo auf »MeTwo«. Und nicht nur das: Jeder weiße Mensch ist hierzulande in dem unausgesprochenen Bewusstsein aufgewachsen, dass weiß zu sein die Norm ist, und dass alle anderen anders sind. Wir Weißen konnten uns erlauben, den Rassismus um uns herum nicht wahrzunehmen, weil wir nie unter ihm zu leiden hatten. Den Stress, im eigenen Alltag immer erstmal über die Hautfarbe, die Sprache oder auch nur den Namen definiert zu werden, kennen wir nicht. Aus diesem Grund ist dann eben auch der immer wieder aufgewärmte Vorwurf unsinnig, als Weißer verbal angegriffen zu werden sei Rassismus. Mag sein, dass das ein feindseliger Akt ist. Aber Feindseligkeit ist kein Rassismus. In einer Welt, in der Weiße seit Jahrhunderten die Macht haben und die Spielregeln bestimmen, kann es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben. Es hieße, die europäische Geschichte auf den Kopf zu stellen oder zu leugnen. Diese Sichtweise mag man von vornherein ablehnen. Man kann aber auch darüber reden und etwas daraus lernen. Das wäre unendlich viel besser, als die Rassismus-Erfahrungen anderer abzustreiten und sich aufzuregen, wenn man wegen seiner uninformierten Kommentare Gegenwind bekommt. »Weiße Zerbrechlichkeit«, das trifft sehr gut, was passiert, wenn alte weiße Männer sich dagegen wehren, alte weiße Männer genannt zu werden. Es tut weh, weil es sich ungerecht anfühlt, für etwas angegriffen zu werden, das man sich nicht ausgesucht hat, und was ja per se auch nichts Schlechtes ist, und deshalb reagiert man empfindlich und zerbrechlich und beleidigt zurück, von oben nach unten. Ja, keiner von uns hat es sich ausgesucht, alt, weiß und ein Mann zu sein. Aber jeder einzelne sucht sich aus, ob er weiter auf Kosten anderer davon profitieren möchte. Vorteile aufgeben ist schwierig, und ich bin überzeugt, die meisten meiner Privilegien sehe ich nicht mal, oder ich lüge mir in die Tasche. Aber man muss auch nicht so tun, als würde man daran zerbrechen. Es ist nichts Schlechtes, ein alter weißer Mann zu sein. Im Gegenteil. Es war eben immer überproportional gut, im Sinne von: buchstäblich vorteilhaft. Über diese Vorteile und wie wir sie abgeben können, müssen wir reden. Und das geht nur, wenn wir die Dinge und uns beim Namen nennen.

Oberwaltungsgericht Münster: Polizeikontrolle aufgrund von Hautfarbe diskriminierend

Oberwaltungsgericht Münster

Polizeikontrolle aufgrund von Hautfarbe diskriminierend

Die verdachtsunabhänige Kontrolle eines dunkelhäutigen Mannes durch die Bundespolizei war eine rechtswidrig und diskriminierend. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. Die Polizei argumentierte, Täter von Gepäckdiebstählen seien oft dunkelhäutig.

http://www.migazin.de/2018/08/09/polizeikontrolle-aufgrund-von-hautfarbe-diskriminierend/