Deutsch-französische Freundschaft

Merkel und Macron feiern Freundschaft, geeint in ihrer Politik der sozialen Kälte. Doch die Gelbwesten-Proteste fordern die Rückkehr zu sozialer Politik. Hunderttausende demonstrieren friedlich, manche schlagen über die Stränge, die Polizeigewalt nimmt ungesehene Ausmaße an. Macron bietet fadenscheinig Gespräche an, hält aber an seiner neoliberalen Agenda fest, die nur noch eine Minderheit in Frankreich teilt.

«Vivre dignement» – «Würdig leben»

Die Proteste der Gelbwesten in Frankreich sind eine große Chance für einen anti-neoliberalen Aufbruch

Von Sebastian Chwala

Auch die Schlagzeilen des letzten Wochenendes in Frankreich wurden maßgeblich von den Gelbwesten bestimmt. Diese gingen bereits das zehnte Mal seit dem 17. November auf die Straße. Im Gegensatz zu den Ankündigungen des französischen Innenministers Christophe Castaner, der in Anspielung auf die Bezeichnung der Aktionstage als «Akte» von einer Theateraufführung gesprochen hatte, der immer weniger Menschen beiwohnen würden, war der Mobilisierungsgrad der Gelbwesten am vergangenen Wochenende wieder sehr hoch. Dass Castaner dies nicht offen zugegeben kann, und die willkürlich gewählte Zahl von 84.000 Demonstrant*innen der Öffentlichkeit mitteilte, darf dabei nicht verwundern. Tatsächlich sprachen manche Beobachter*innen davon, die größten Demonstrationen seit dem Beginn der sozialen Bewegung der Gilets Jaunes erlebt zu haben.

Autoritärer Neoliberalismus

Dies passt nicht in die Strategie des Staatspräsidenten Emmanuel Macron, der sich gerade daran macht, die Herzen der Franzosen zu gewinnen, indem er einen scheinbaren Dialog mit der Zivilgesellschaft beginnt. Deshalb beruft er aktuell aufwendig inszenierte Diskussionsveranstaltungen mit den Bürgermeister*innen der kleinen Landkommunen ein – der ländliche Raum hat unter dem Abbau von öffentlicher Infrastruktur am meisten zu leiden. Die Diskussionsforen sind aber nichts als große Schauveranstaltungen. Wie die französische Presse dieser Tage berichtete, sollen zum Teil sogar die Redebeiträge und Fragen, die die anwesenden Vertreter*innen der Gemeinden an den Staatspräsidenten richteten, vorher mit Macron abgesprochen und von der Präsidialverwaltung den Bürgermeister*innen aufgezwungen worden sein. Eine demokratisch, ergebnisoffene Diskussion sieht anders aus. Nicht umsonst werden die Gemeinden, die Ort solcher Zusammenkünfte sind, zu Hochsicherheitszonen, in denen beinahe sämtliche Bürgerrechte ausgehebelt werden und Einwohner*innen keinen Zutritt haben. Ebenso verhält es sich mit dem Fragenkatalog, den die Bürger*innen ausfüllen dürfen, um so die Politik Macrons zu legitimieren. Auch hier findet sich nicht der geringste Wille zur Umkehr, im Gegenteil. Den Menschen in Frankreich wird nur die Möglichkeit gegeben, sich zu entscheiden, welche sozialen Leistungen oder öffentlichen Dienstleistungen zurückgefahren werden sollen. Denn das ideologisches Kernstück der Macron’schen Agenda bleibt, dass Steuersenkungen den Standort stark machen. Die damit einhergehende wachsende gesellschaftliche Ungleichheit hat, so die Regierung, auch positive Folgen für die Lohnempfänger*innen, weil so die Unternehmer*innen verstärkt investieren würden. Dass die Vermögensteuer wieder eingeführt wird, wie es die «Gelbwesten fordern, und damit dem Staat mehr finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um Schulen und Krankenhäuser zu finanzieren sowie ordentliche Renten zu zahlen, stößt bei Macron und seiner kleinen Truppe von Getreuen auf taube Ohren. Auf die Proteste antwortet die »Macron-Administration« in erster Linie mit massiver Repression. Hunderte Verletzte und Festnahmen sowie Schnellprozesse sind die Antwort auf die Unzufriedenheit der Menschen im Land. Macrons Zufallssieg bei den Präsidentschaftswahlen 2017 aufgrund einer gut orchestrierten Kampagne, die ihn als sicheres Bollwerk gegen die faschistische Marine Le Pen verkaufte, bedeute nicht, dass Macrons Projekt jemals über eine gesellschaftliche Mehrheit verfügte. Rücksichtslose Selbstbereicherung einer kleinen wirtschaftlichen Elite erleichtern zu wollen, die den Sozialstaat als Geldverschwendung betrachtet und sich aus der Verantwortung für das Gemeinwesen zurückziehen will, treibt Macron und seine Wegbegleiter der Partei En marche an.

Anspruch auf Selbstemanzipation

Doch den Staat zu Gunsten der ökonomisch privilegierten Milieus schrumpfen zu lassen, indem die öffentlichen Finanzen ausbluten, ist nicht gerecht, sagen die Menschen, die sich als Gelbwesten zusammengefunden haben oder diese unterstützten. Die Warnweste symbolisiert den*die Durchschnittsbürger*in, der*die durch mitunter harte körperliche Arbeit das Auskommen verdient, aber von »denen da oben« ständig missachtet wird. Indirekte und direkte Steuern sowie Immobilienzinsen lasten auf den Schultern dieser immer weniger repräsentierten sozialen Milieus in Frankreich. Dabei war einst versprochen worden, dass der Rückzug des »Kollektivs« in Form des Staates die Menschen zu materiellem Wohlstand und Eigentum führen werde. Mehr Freiheit und Wohlstand durch eine deregulierte Ökonomie und weniger Steuerbelastung für die Haushalte sowie sozialer Aufstieg wären die Folge, hieß es. Nun schultert aber die untere Mittelklasse verstärkt finanzielle Belastungen, während die Lebensqualität sinkt und sich die Zukunftsaussichten eintrüben. Die »kleinen Leute« in Frankreich wollen sich nicht länger aufopfern für die Vorteile einer kleinen Gruppe. Daher lehnen die Gelbwesten das Repräsentativsystem so stark ab – Macron ist für sie der Beleg dafür, dass die politische Klasse und die wirtschaftliche Eliten – die herrschenden Klasse, wie es Marxisten formulieren würden – eng miteinander verbunden sind. Die Gilets Jaunes sind, im Angesicht dieser Erkenntnis, nicht länger bereit, sich als Faulpelze, Trinker oder bornierte Spinner von Angehörigen dieses Großbürgertums bezeichnen zu lassen.

Wunsch nach einer »realistischen Utopie«

Dessen gesellschaftlicher Status beruht auf ererbten Vermögen und Beziehungsnetzwerken, aber ist kaum das Ergebnis von Erwerbsarbeit. »Vivre dignement«, »würdig leben«, hört man deshalb häufig aus den Reihen der Demonstrant*innen. Dies bedeutet einerseits, dass man für sich und die eigenen Kinder eine Lebensperspektive erwünscht, eine »realistische Utopie«, wie die gesetzliche Verankerung unbefristeter Arbeitsverträge als Norm, bezahlbare Mieten, Zugang zu den Universitäten, aber auch eine wirkliche Erneuerung der Demokratie. An die Stelle »bürgerlicher« Politiker*innen sollen Menschen aus dem »arbeitenden Volk« treten, die auch deren Interessen vertreten. Da man aber den Parlamenten misstraut, weil Abgeordnete kaum kontrollierbar sind, will man auch selbst mitentscheiden. Volksentscheide sollen alle Formen des Gesetzgebungsprozesses, aber auch die Politiker*innen selbst kontrollieren können. Diesen Anspruch auf Selbstemanzipation sollte man gutheißen, leider haben aber auch Teile der akademisch geprägten Linken Angst davor. Sehen sie doch gleich wieder das faschistische Gespenst am Werk, wenn die gesellschaftliche Basis, der man gerne die Fähigkeit zur Vernunft abspricht, das Wort ergreift. Ein Forderungskatalog von Gelbwesten, der Anfang Dezember 2018 veröffentlicht wurde sowie die gesammelten Eindrücke von Sozialwissenschaftler*innen an besetzten Kreisverkehren und bei Demonstrationen zeichnen ein anderes Bild. Zum ersten Mal seit Jahren sind in der oft als unpolitisch verschrienen Mittelklasse progressive soziale Forderungen, kurz die Idee der »Gleichheit«, hegemonial. Eine große Chance, die die französische Linke nicht durch Debatten über das »richtige« theoretische Bewusstsein der Menschen verschenken sollte.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1110492.gelbwesten-gegen-neoliberalismus-vivre-dignement-wuerdig-leben.html

Clan-Kriminalität wächst

https://www.jungewelt.de/artikel/347538.neoliberalismus-clan-kriminalit%C3%A4t-w%C3%A4chst.html

Clan-Kriminalität wächst

Studie: Vermögen der Milliardäre in Deutschland um mehr als 20 Prozent gestiegen. Jedes fünfte Kind von Armut betroffen

Von Simon Zeise

Die Bundesrepublik zählt zu den Industrienationen, in denen die Ungleichheit am größten ist. Das reichste eine Prozent der Kapitalisten verfügt hierzulande über soviel Vermögen wie die ärmsten 87 Prozent der Lohnabhängigen. Das geht aus einem Bericht zur sozialen Ungleichheit der Organisation Oxfam hervor. Im vergangenen Jahr konnten die Multimilliardäre in der BRD förmlich im Schampus baden, denn laut Bericht ist es ihnen gelungen, ihren Reichtum um 20 Prozent zu steigern. Geschmiert liefen ihre Geschäfte dank der freundlichen Hilfe der Bundesregierung. Beim Amtsantritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2005 hatten die Hochvermögenden in Deutschland Bargeld, Einlagen, Wertpapiere und Forderungen an Versicherungen im Wert von rund vier Billionen Euro angehäuft. 14 Jahre später hat es die Bundesregierung geschafft, das Geldvermögen der »privaten Haushalte« auf mehr als sechs Billionen Euro zu steigern – das Bruttoinlandsprodukt der BRD umfasste 2018 lediglich 3,3 Billionen Euro. Möglich wurde das deshalb, weil Deutschland das Eldorado für Kapitalisten ist. Das Erbe von Konzernchefs wird auf Minderjährige übertragen, um den Besitz am Fiskus vorbeizuschleusen. Eine Vermögenssteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben. Für die Leistung der Bundesregierung ist schnell ein Zeugnis ausgestellt: Mit 15,8 Prozent liege die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996, teilte Oxfam mit. Jedes fünfte Kind sei von Armut betroffen. Frauen verdienten im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger als Männer. Schlechter sei die Lage in der EU nur in Estland und Tschechien. Weltweit seien die Vermögen der Superreichen 2018 täglich um 2,5 Milliarden Dollar (2,19 Milliarden Euro), also insgesamt 900 Milliarden Dollar gestiegen, berichtet Oxfam – ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 26 Milliardäre besäßen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Das Vermögen von Amazon-Chef Jeffrey Bezos, dem reichsten Mann der Welt, sei 2018 auf 112 Milliarden Dollar angewachsen. Das Gesundheitsbudget Äthiopiens entspreche demnach einem Prozent seines Vermögens. Die Bosse und Spekulanten haben diese Summen nicht erarbeitet. Sie bedienten sich am öffentlichen Eigentum, raubten den von der arbeitenden Bevölkerung geschaffenen Mehrwert. Die Einkommen und Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sind im vergangenen Jahr um elf Prozent gesunken. 3,4 Milliarden Menschen hätten pro Tag maximal 5,50 Dollar zur Verfügung. Vielen von ihnen drohe etwa bei Krankheit der Fall in die extreme Armut, weil sie Behandlungen oder Medikamente nicht bezahlen könnten. Insgesamt lebten 736 Millionen Menschen in extremer Armut und müssten mit weniger als 1,90 Dollar täglich versuchen zu überleben. Doch es regt sich Widerstand. In Frankreich gingen am Sonnabend erneut 84.000 »Gelbwesten« auf die Straße, um gegen die Kürzungspolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu demonstrieren. ATTAC Deutschland hatte am Freitag abend erklärt: »Die Erosion des Vertrauens nicht nur zu Macron, sondern zu den etablierten Institutionen bei gut zwei Dritteln der Bevölkerung ist Symptom der allgemeinen Krise neoliberaler Wirtschafts- Sozial- und Gesellschaftspolitik.« Es sei ein »genereller Ausdruck von Wut und tiefer Enttäuschung bei ›denen da unten‹ und von Kontrollverlust bei den Herrschenden, wie er sich nach 30 Jahren neoliberaler Globalisierung nicht nur in Frankreich manifestiert«.

Klimawandel in den Alpen – über das Schmelzen von Gletscher, Eis und Schnee

Manchmal helfen Bilder mehr als Worte!

Video: Alpendämmerung – Europa ohne Gletscher

14.01.19 | 43:18 Min. | Verfügbar bis 14.01.2020

Für die Rettung der Gletscher in den Alpen ist es längst zu spät: Jedes Jahr gehen durch den Klimawandel von den existierenden 70 Quadratkilometern Gletscher zwei verloren. Eine Abschiedsreise zum blauen Eis Europas.

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/alpendaemmerung-europa-ohne-gletscher-video-100.html

Dokutipp: Urlaub statt Knast – Wie Norwegen Verbrechen ahndet

Eine sehenswerte Doku für Herz und Kopf! Beeindruckend!

https://www.arte.tv/de/videos/084755-003-A/re-urlaub-statt-knast/

Urlaub statt Knast

Wie Norwegen Verbrechen ahndet

„Re:“ im liberalsten Gefängnis der Welt. In Norwegen leben Mörder, Sexualstraftäter und Wirtschaftskriminelle auf einer idyllischen Insel im Osloer Fjord. Die Gefängnisinsel heißt Bastøy. Hier werden die Schwerverbrecher auf ihre Entlassung vorbereitet. Keine Gitter oder Mauern: Das Konzept heißt Vertrauen, und tatsächlich ist noch nie etwas passiert. Aber ist das noch Strafe?

Der Staat Norwegen unternimmt viel dafür, dass die Straftäter auf das Leben nach der Strafe vorbereitet werden. Auf der Insel Bastøy sind kaum Wachen, und die sind sogar unbewaffnet. Das Konzept heißt Vertrauen, und tatsächlich ist noch nie etwas passiert. Aber ist das noch Strafe? Oder Urlaub auf Kosten der Allgemeinheit? Keine Gitter oder Mauern: Die Häftlinge wohnen in WGs, haben Zugang zu scharfen Messern und Motorsägen. Im Blues House probt Jens mit seiner Band. Jens ist ein verurteilter Mörder und jetzt nach jahrelanger Abhängigkeit endlich clean. Auf Bastøy hat er die Möglichkeit, Musik zu machen. Mit seiner Band Skyldig som faen (Schuldig wie die Hölle) tritt er sogar außerhalb der Gefängnisinsel auf. Nicht nur Jens, auch die Gefängnisleitung ist fest davon überzeugt, dass er sich gebessert hat und wieder in die norwegische Gesellschaft integriert werden kann. 15 verurteilte Mörder wohnen zurzeit in Bastøy. Im Schnitt wurden die 120 Bewohner zu Haftstrafen von über sechseinhalb Jahren verurteilt.

SZ: Josef „abgeschoben“

https://www.sueddeutsche.de/panorama/nordrhein-westfalen-josef-abgeschoben-1.4277912

Josef „abgeschoben“

Unbekannte haben in einer politischen Kunstaktion aus einer Kirche den Josef aus der Krippe gestohlen.

Von Moritz Geier
 

Über Kunst wird viel und gerne gestritten, zumal wenn es um Politik geht, aber bevor sich jetzt gleich wieder jemand aufregt, das Wichtigste zuerst: Die Einbrecher haben das Diebesgut freiwillig zurückgegeben, Maria und Jesus haben ihren Josef wieder und Josef muss auch nicht nach Afghanistan, das sind die Fakten. Alles ist gut. „Gott sei Dank“, schrieben die Westfälischen Nachrichten.

Passiert war nämlich Folgendes: Unbekannte hatten aus der Kirche Sankt Joseph in Münster am Wochenende die Holzfigur des Josefs aus der Krippe entwendet. Am Samstagnachmittag stand Josef dann wieder neben seiner Maria, vor der Krippe lag nun ein Abschiebebescheid, „der Asylantrag des Josef von Nazareth“ sei „als unzulässig abgelehnt worden“, stand da drauf, ein Papier, das aussah, als komme es tatsächlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Das Ganze enthielt dann aber noch einen Hinweis, es handle sich um eine „politische Kunstaktion“, man wolle auf die „inhumane Abschiebepraxis und auf das 100-jährige Bestehen von Abschiebehaftanstalten in Deutschland“ hinweisen. Deswegen sei am Samstag „aus den Krippen mehrerer Kirchen in Münster die Figur des Josef abgeschoben worden“, mit den Kirchen sei die Aktion nicht abgestimmt gewesen.

Über den künstlerischen Wert der Aktion lässt sich natürlich streiten, ganz sicher aber kann man sagen: Es sind gerade ganz gute Zeiten für den künstlerischen Aktivismus. Die kubanische Performance-Künstlerin Tania Bruguera hat mal geschrieben, Kunst sei nur nützlich, wenn sie „in die Häuser und Leben der Menschen eindringe“ (und damit ganz sicher auch Kirchen gemeint).

Ganz gerne kommentieren, kritisieren, verreißen und attackieren Künstler gerade das politische Tagesgeschehen, das Thema Migration hat dabei Hochkonjunktur. Ein paar Beispiele, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Ai Weiwei hängte 2016 knallorange, angeblich von Flüchtlingen stammende Schwimmwesten an das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin.

Das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ hatte ein Jahr zuvor im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge exhumieren lassen, nach Berlin gebracht und dort auf einem Friedhof erneut beerdigt. „Die Toten kommen“ nannte das Kollektiv die Aktion. Auf dem Rasen vor dem Bundestag hoben die Künstler ein paar Tage später 100 symbolische Gräber aus.

In der Geschichte politischer Kunst- und Protestaktionen nimmt jene der Schwedin Elin Ersson eine Sonderstellung ein. Im Juli des vergangenen Jahres weigerte sich die Studentin kurz vor dem Abflug ihres Flugzeugs, ihren Sitzplatz in der Maschine einzunehmen. Sie protestierte gegen die Abschiebung eines an Bord sitzenden Afghanen, der in sein eher nicht so sicheres Herkunftsland geflogen werden sollte. Andere Passagiere schimpften, einer nahm Ersson das Handy weg, das war auf Videoaufnahmen zu sehen.

Die Studentin aber blieb standhaft, irgendwann sprangen ihr andere Passagiere bei. Der Mann wurde nicht abgeschoben. Erssons Aktion hat ihn vor der Reise in eine womöglich gefährliche Zukunft bewahrt, vielleicht hat sie ihm ja sogar das Leben gerettet. Was für eine Kunst!

WN: Protestaktion in Kirchen – Wenn Josef plötzlich verschwindet

https://www.wn.de/Muenster/3607423-Protestaktion-in-Kirchen-Wenn-Josef-ploetzlich-verschwindet

Protestaktion in Kirchen

Wenn Josef plötzlich verschwindet

Münster – Eine namentlich nicht bekannte Gruppe hat am Wochenende mit einer politischen Kunstaktion auf Abschiebung und Abschiebehaft aufmerksam gemacht. Aus den Krippen mehrerer Kirchen sei die Figur des Josef abgeschoben worden. Von Ralf Repöhler

Der Josef ist da! Gott sei Dank. Wie am Wochenende aus der Gemeinde St. Joseph in Münster-Süd zu erfahren war, stand die Holzfigur am Samstagnachmittag wie gewohnt an ihrem angestammten Platz in der Kirche an der Krippe. Vielleicht ein wenig versetzt. Ein gefälschter Abschiebebescheid im Stil des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lag vor dem Jesus-Kind. Danach sei „der Asylantrag des Josef von Nazareth als unzulässig abgelehnt worden“, heißt es da. Mit einer nach eigenen Angaben politischen Kunstaktion weist eine namentlich nicht bekannte Gruppe auf die „inhumane Abschiebepraxis und auf das 100-jährige Bestehen von Abschiebehaftanstalten in Deutschland“ hin. Aus diesem Grund sei am Samstag „aus den Krippen mehrerer Kirchen in Münster die Figur des Josef abgeschoben worden“. Ein Fake-Bescheid und ein Erklärungstext seien dort ausgelegt worden. Die mit den Kirchengemeinden nicht abgestimmte Aktion wolle auf Abschiebung und Abschiebehaft aufmerksam machen. „Auch aus Münster werden Menschen unangekündigt abgeschoben“, so eine Vertreterin der Gruppe. Zuletzt war im Dezember eine Familie, die in Roxel lebte, nach Georgien ausgeflogen worden. Das Bistum Münster reagiert gelassen. „Das Anliegen, auf humanitäre Abschiebeverfahren hinzuweisen, ist ja durchaus berechtigt“, sagt Sprecher Dr. Stephan Kronenburg, der sich zur Form indes nicht äußern wollte. Bei der Polizei ist keine Anzeige wegen fehlender oder beschädigter Krippenfiguren eingegangen.

Zwei lesenswerte Interviews zu Rasssismus / Racial Profiling / Polizei

1. https://www.neues-deutschland.de/artikel/1109272.racial-profiling-kriminalisierung-rechtfertigt-gewalt.html

Biplab Basu ist Historiker, Mitbegründer der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und Mitarbeiter der Beratungsstelle ReachOut.

Racial Profiling

Kriminalisierung rechtfertigt Gewalt

Biplab Basu über Racial Profiling und die Signalkraft polizeilicher Maßnahmen

2. https://www.neues-deutschland.de/artikel/1109067.rassismus-bei-der-polizei-ein-strukturelles-problem.html

Daniel Loick ist Fellow am Center for Humanities and Social Change in Berlin. Soeben hat er im Campus-Verlag das Buch »Kritik der Polizei« herausgegeben, das sich u.a. mit polizeilichem Rassismus und mit der Frage von Polizei und Rechtsstaatlichkeit auseinandersetzt.

Politik / Rassismus bei der Polizei

Ein strukturelles Problem

Sozialwissenschaftler Daniel Loick über Alltagsrassismus bei Beamten und die Vorfälle in Frankfurt am Main

Das Problem heißt Rassismus

Wenn weiße deutsche Menschen andere Menschen aufgrund ihres Aussehens verfolgen oder töten, wird meist in der privaten Situation der Personen nach Gründen für die Tat gesucht, um einen Einzelfall darstellen zu können (psychische Erkrankung, Drogeneinfluss, familiäre Situation etc.).

Wenn nicht-weiße Menschen weiße deutsche Menschen angreifen, wird meist in der Herkunft der Personen nach den Gründen für die Tat gesucht, um ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren (Herkunft, Staatsangehörigkeit, Asylstatus, Religion, „Milieu“).

Das ist kein Zufall, das ist systematischer Rassismus.

Rassismus konstruiert sich sehr früh in den Köpfen wie folgender Artikel zeigt, inklusive Video:

http://www.migazin.de/2014/04/17/rassistische-kinder-doll-test/

Doll Test

Rassistische Kinder?

Das Video überrascht vor allem Eltern: Nicht nur Erwachsene können von rassistischen Gedanken geleitet sein, sondern auch Kinder. Das zeigt der sogenannte „Doll Test“, bei dem Kindern im Vorschulalter jeweils weiße und schwarze Puppen gezeigt werden.

Der Interviewer fragt im Video Kinder im Vorschulalter, sich zwischen zwei Puppen zu entscheiden: die eine ist weiß und die andere eine schwarze Puppe. Der Test wurde 2010 vom amerikanischen Nachrichtensender „CNN“ ausgestrahlt.

Ganz gleich, welche Hautfarbe das Kind hat, es wählt lieber die weiße Puppe. Damit nicht genug: Die schwarze Puppe wird im Experiment auch häufiger als „böse“ bezeichnet.

Das Experiment zeigt, was Vorurteils- und Rassismusforscher längst seit Jahren feststellen: Rassistische Vorstellungen schlagen sich nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft nieder, sondern prägen auch im besonderen Maße das Selbstbild von der ausgegrenzten Gruppe.

Dabei weisen Forscher immer wieder darauf hin, dass Rassismen das Ziel haben, die Macht und Privilegien der Mehrheitsgesellschaft zu erhalten. Dabei profitieren zwangsläufig diejenigen, die dazugehören. Die als „anders“ bewertete Gruppe wird dabei homogenisiert und mit negativen Merkmalen markiert.

Schauen Sie selbst: https://www.youtube.com/watch?v=tkpUyB2xgTM&feature=youtu.be

Der „Doll Test“ wurde von Kenneth Bancroft Clark und Mamie Phipps Clark zum ersten Mal in den 1940er Jahren durchgeführt. Während sich viele schwarze Kinder mit den schwarzen Puppen identifizierten, bevorzugten sie aber mehrheitlich die weißen Puppen zum Spielen. (hd)

http://www.migazin.de/2014/04/17/rassistische-kinder-doll-test/

Mit Marx ins neue Jahr – Marie meets Marx – Die Webserie

Die marxistische Theorie stellt das hilfreichste Werkzeug der Analyse unserer heutigen Verhältnisse dar.

Die sehenswerten 6-min-Kurzfilme erklären Interessierten zentrale Begriffe. Pflichtprogramm für politische Aufklärung!

https://www.arte.tv/de/videos/RC-016077/marie-meets-marx-die-webserie/

Marie meets Marx – Die Webserie

Maries Leben wäre ganz gewöhnlich, würde da nicht ab und zu Karl Marx mit ihr sprechen. Ob im Supermarkt oder an der Imbissbude – Marx taucht immer wieder in Maries Alltagsleben auf. Er ist überall, genau wie seine Thesen und seine Kritik an der politischen Ökonomie, die heute noch immer brandaktuell ist. Aber wenn Marie Marx trifft, heißt das nicht, dass beide einer Meinung sind.